Am 1. November feiern Christen das Fest Allerheiligen. Ein Anlass für viele Menschen, die Gräber ihrer Angehörigen zu besuchen, sie zu schmücken und eine Kerze zu entzünden. Doch diese Tradition ist - aus historischer Sicht betrachtet - noch gar nicht so alt. Begeben Sie sich mit uns doch einmal auf eine Zeitreise in das 16. Jahrhundert. Wie sahen damals Friedhöfe aus? Wir haben recherchiert und den Grafiker Joachim Krause beauftragt, nach unseren Ergebnissen einmal eine Rekonstruktionszeichnung zu erstellen.
Der erste Eindruck wird Sie sicher irritieren: Sie sehen keine blumengeschmückten Einzelgräber, sondern nur viele schlichte und anonyme Holzkreuze. Nun, es sei daran erinnert, wir befinden uns in einer Zeit des Wechsels vom Mittelalter zur frühen Neuzeit! Einzelgräber sind bis auf einige ganz wenige fast unbekannt. Wenn auch der Tod in der Vorstellung der Menschen nur eine Zwischenstation vom Leben zum leuternden Fegefeuer darstellt um als Seele dann endlich in die ewige Seligkeit oder auf direktem Wege in die ewige Verdammnis einzugehen, so muss die gesellschaftliche Rangordnung auch hier auf dem Gottesacker gewahrt bleiben. Wieso benötigen Menschen, die schon zu Lebzeiten mit vielen Personen unter einem Dach wohnten, ein eigenes Grab?
Schauen wir uns einige Szenen genauer an. Im Zentrum des Bildes sehen wir eine Beerdigung. Gerade heben Freunde des Verstorbenen den in Tücher gewickelten Leichnam aus dem Sarg, um ihn jetzt in das Grab zu legen. Ein Sarg bedeutete Luxus. In aller Regel liehen sich die Angehörigen für die Dauer der Aufbahrung und der Trauerzeremonie in der Kapelle einen schlichten Holzsarg aus. Ungeduldig schon wartet der Totengräber darauf, seine Arbeit abzuschließen: Kalk in die Grube streuen und dann die Erde obendrauf.
Links im Bild sehen wir eine junge Frau, die am Grab ihres totgeborenen und nicht getauften Säuglings trauert. Damit diese armen und jungen Seelen wenigstens den Hauch einer Chance haben, in das Himmelreich einzugehen, beerdigte man sie direkt an der Kirchenmauer. Warum? Nun, man glaubte, dass das vom Kirchendach herabfließende Wasser diese unschuldigen Kinder noch wenigstens in Ansätzen taufte. Glaube versetzt eben manchmal Berge.
Weniger um Glauben als um handfestere Dinge scheint es einige Meter weiter zu gehen.
Ein Stadtbediensteter verliest gerade am Grab eines Verstorbenen das Testament. Das war zu jenen Zeiten durchaus Brauch.
Bevor wir diesen Ort der Stille verlassen, sollten Sie noch einmal einen Blick auf den Ausgang werfen.
Erkennen Sie das im Boden eingelassene Gitter? Dies ist ein sogenannter Beinbrecher. Um in der Stadt frei herumlaufende Schweine und andere Huftiere von den Gräbern fernzuhalten, baute man diese Einrichtungen in die Tore ein.
Einen Blick auf das ganze Areal eines Stadtfriedhofs im 16. Jahrhundert können Sie hier werfen.
Außerdem können Sie sich diesen Beitrag als Animation kostenlos downloaden.
Keine Angst, Sie begehen heutzutage keine Sünde mehr, wenn Sie gesittet mit Ihrem Essbesteck hantieren. Aber im 11. Jahrhundert, als die Gabel in Italien in Adelskreisen ihren Einzug hielt, hätte diese Schlagzeile in der Zeitung stehen können.
Tatsächlich verbot die Kirche den Gebrauch dieses Teufelswerkzeuges. Denn “gottgegebene Nahrung darf nur mit den von Gott geschaffenen Fingern berührt werden”, so die klerikale Begründung.
Nun ja, seitdem ist viel Wasser den Rhein Richtung Nordsee geflossen und die Nutzung des drei- oder vierzinkingen Essutensils gehört seit dem 16. Jahrhundert zum ‘guten Ton’. Aber hin und wieder verzichten wir doch gerne auf eine Gabel, wenn wir genüsslich in einen Hähnchenschenkel oder einen Burger beißen.
In diesem Sinne:
guten Appetit!Stephan Gärtner
Diese Redewendung hat nichts damit zu tun, durch eine Ansammlung skandinavischstämmiger Europäer zu laufen. Nein, sie hat ihren Ursprung in der Jagd.
Früher war es üblich, das zu bejagende Gebiet mit Stofflappen, die an langen Leinen befestigt waren, einzugrenzen. So sollte das Wild daran gehindert werden, das Jagdgebiet zu verlassen, was so manchem fußfaulen Hubertusjünger sehr entgegengekommen sein mag.
Trotzdem gelang es immer mal wieder einem mutigen Keiler oder kühnen Hirschen, das vermeintliche Hindernis zu überwinden. Diese Ausreißer sind dann der Jagdgesellschaft ‘durch die Lappen gegangen’.Sprichwort Redensart Stephan Gärtner
Wahrscheinlich stammt dieser Brauch aus dem Mittelalter. Man stieß mit den Zinnbechern oder Tonkrügen so fest aneinander, dass der Inhalt von einem in das andere Gefäß schwappte. So sollte ein möglicher Giftanschlag verhindert werden.
Auch damals galt schon: Vertrauen ist gut …Sitten Gebräuche Brauch Sitte anstoßen Prost Stephan Gärtner
Mehr als 280.000 Menschen sollen ihn und seinen Anhang schon bewundert haben: den großen Kopf des “großen” Konstantin und die ihm zu Ehren abgehaltene Ausstellung in Trier. Mag sein, dass ich zynisch klinge. Doch die Trierer Ausstellungsmacher müssen sich schon die Frage gefallen lassen, warum sie dermaßen überhöht die Person des Kaisers in den Mittelpunkt der Ausstellung rückten. Natürlich kann ich verstehen, dass die Trierer “ihren” Konstantin verehren. War er es doch, der ihre Stadt zum Nabel des Imperiums machte. Wenigstens für ein paar Jahre. Und ob dieser Kaiser wirklich den Titel “groß” verdient hat, darüber will ich mich hier nicht auslassen. Dies alles kann in jedem besseren Geschichtsbuch nachgeschlagen werden.
Warum aber, um aller Gottheiten willen, zeigt die Ausstellung so wenig zur Alltags- und Sozialgeschichte Triers zur Zeit ihres großen Gönners? Ja, am Ende der Ausstellung können die Besucher das große Stadtmodell Triers zur Zeit Konstantins bewundern und einige Räume vorher den Totenkult der Römer kennen lernen. Doch dann wird er präsentiert, der mit Lasertechnik kopierte überdimensionale Kopf des Herrschers, wie ihn jeder Rombesucher von den Kapitolinischen Museen her kennt.
Da frage ich mich doch, gaben das Wissen und manche Artefakte Triers so wenig her, dass man die Kopie einer ästhetischen Scheußlichkeit unbedingt in den Mittelpunkt einer Ausstellung über die Antike stellen musste? Das frage ich mich als Historiker, dem vor dreizig Jahren in den Kolloquien die Thesen der Schule der Annales auf Schritt und Tritt begegneten. Und das fragte ich mich als Besucher einer Ausstellung, der manch Neues über die römische Vergangenheit einer Stadt erfahren wollte. Und zuletzt frage ich mich, ob diese Ausstellung nicht schon wieder einem Geschichtsverständnis das Wort redet, das ich eigentlich als überholt hielt. Wie gesagt, ich frage nur.Antike Trier Bernd Kockerols
Mag sein, dass der ein oder andere die Redewendung nutzt und dann einen Termin beim Zahnarzt seines Vertrauens macht. Doch sie hat nichts mit dentalen Restaurationsplanungen zu tun.
Nein, sie stammt vielmehr aus dem Mittelalter. Damals wurde zum Kochen meist ein großer Kessel an einer Art Zahnstange über das offene Herdfeuer gehängt. Je nachdem auf welche Höhe man den Topf hängte, konnte man die Gargeschwindigkeit regulieren. Kündigten sich unerwartet Gäste oder eventuell auch vorzeitig der Ehemann zum Essen an, musste man zusehen, dass das Essen schneller fertig wurde. Man hakte den Kessel an einem der unteren Zähne der Stange ein, damit er dichter über dem Feuer hing. So legte man damals einen Zahn zu. Sprichwort Redensart Stephan Gärtner
Sie haben richtig gelesen. Stegreif wird ohne “h” geschrieben. Denn der Begriff hat nichts mit dem Verb ’stehen’ zu tun. Er ist vielmehr mit dem Steigbügel am Pferdesattel verwandt. Der untere Teil, auf dem der Fuß abgestellt wurde, hieß damals Steg. Der Bügel, der sich im Bogen darüber anschließt, wurde Reif genannt.
Damals wie heute war und ist es oftmals notwendig, seine Untergebenen für eine Sache zu motivieren. Vorallem wenn man als Heerführer seine Soldaten auf die bevorstehende Schlacht einstimmen musste. Damit man auch in der letzten Reihe gesehen und gehört werden konnte, blieb man dabei nicht einfach im Sattel sitzen, sondern stellte sich in die Steigbügel. Und da solche Ansprachen vorher selten von irgendeinem Ghostwriter geschrieben wurden, motivierte der Feldherr seine Soldaten mit einer spontan gehaltenen Rede, also aus dem Stegreif.Sprichwort Redewendung Redensart Stephan Gärtner
Traurig, dachten die Einen, endlich die Anderen. Als die letzte ihrer Gattung am 26. Oktober 1977 den Bahnhof Rheine erreichte, war das ein Abschied für immer: die Deutsche Bundesbahn stellte an jenem Tag den offiziellen Betrieb von Dampflokomotiven ein. Am nächsten Tag wurden auf der letzten von Dampflokomotiven befahrenen Strecke zwischen Emden und Rheine die Güter- und Personenwagen nur noch durch Dieselloks gezogen. Doch ganz verschwunden sind die dampfenden Stahlrösser vom Schienennetz der DB nicht: Als Museumsbahnen verdienen sich manche der Ungetüme auch heute noch ihr Gnadenbrot. Wenn Sie wissen wollen wo, hier finden Sie mehr dazu. Und der letzten Dampflok vom 26.10.1977 können Sie heute noch Ihre Ehre erweisen: am Bahnhof von Salzbergen.
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03.01.2008 (V1.1):
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